Medikamente kindgerecht verabreichen
Gesundheit

Arzneimittel kindgerecht verabreichen

Grippale Infekte, Magen-/Darmprobleme oder Atemwegserkrankungen wie Husten und Schnupfen können Kinder viel häufiger heimsuchen, als Erwachsene. Als Eltern leiden Sie gerade jetzt mit Ihrem Sprössling gemeinsam - und wünschen dem kleinen Patienten nichts mehr, als schnelle Genesung! Arzneimittel zu verabreichen, ist für den Heilungsprozess oft unverzichtbar. Doch einem kranken Kind Medikamente zu geben, kann schnell in einem aussichtslosen Machtkampf enden. Die Kleinen wehren sich nicht selten mit Händen und Füßen lautstark gegen jegliche Darreichungsform der Arzneimittel. Egal ob Saft, Zäpfchen oder Salbe – gerade bei Kindern im „Trotzalter“ zwischen zwei und vier Jahren kommen Sie mit gut gemeinten Argumenten nicht weit. Von argumentativ-logischen Überzeugungsversuchen über die Notwendigkeit der Medikamenteneinnahme ganz zu schweigen.

Was jetzt hilft?

Mit etwas Geduld und manchmal auch einigen Tricks können Sie Ihrem Nachwuchs die Einnahme der Medizin erleichtern. Viele Arzneimittel werden von Kindern besser angenommen, wenn Sie bei der Verabreichung einige Hinweise beachten:

  • Medizin, die geschluckt werden muss, sollte Ihr Kind möglichst im Sitzen oder aufrecht einnehmen, damit es sich nicht verschluckt. Kapseln und Tabletten können mit ca. 100 ml Flüssigkeit (am besten Wasser oder Tee) aufgenommen werden. Wenn das Schlucken mit Wasser nicht klappt, können Sie auch einen Löffel Apfelmus oder Kartoffelbrei anbieten.
  • Bei flüssigen Arzneimitteln können Sie eine Spritze (ohne Nadel) oder Pipette zur Darreichung verwenden. Damit können Sie die Arznei gut dosieren und direkt hinter die Backenzähne spritzen - so umgehen Sie die Geschmackspapillen und die Kinder tun sich mit dem Schlucken leichter.
  • Muss Ihr kleiner Patient Ohrentropfen bekommen, hilft es, den Kopf seitlich in den Schoß zu legen und dann die Ohrentropfen vorsichtig ins Ohr zu träufeln. So laufen die Tropfen besser in den Gehörgang.
  • Ohren- oder Nasentropfen werden oft als unangenehm empfunden, wenn sie zu kalt sind. Sie können die verpackten Tropfen kurz in Ihren Händen oder lauwarmen Wasser aufwärmen, bevor Sie verabreicht werden.
  • Augentropfen geben Sie Ihrem Kind am besten im Liegen und bei geschlossenen Augen. Lassen Sie die Tropfen vorsichtig in den Augeninnenwinkel laufen und ziehen dann das Unterlid herunter. Die Tropfen verteilen sich automatisch im Bindehautsack, wenn das Kind blinzelt. Achten Sie darauf, mit der Pipette nicht das Auge zu berühren, um Verletzungen oder ein unangenehmes Gefühl zu vermeiden. Wichtig ist zudem, dass die Pipette nicht in Berührung mit den Krankheitserregern kommt, um sie für den weiteren Gebrauch steril zu halten.
  • Zäpfchen gleiten besser, wenn sie mit etwas Wasser abgespült oder kurz in der Hand erwärmt wurden. Das Zäpfchen mit Cremes oder Ölen einzuschmieren, sollten Sie jedoch vermeiden, da die Aufnahme des Wirkstoffs hierdurch beeinträchtigt werden kann. Beim Einführen sollte Ihr Kind auf dem Rücken liegen und die Beine leicht anwinkeln – es wird das Zäpfchen so kaum bemerken.
  • Generell gilt: Treten Sie selbstsicher und bestimmt auf, denn Ihr Kind merkt sofort, wenn Sie verunsichert sind. Bevor Sie das Medikament verabreichen, erklären Sie Ihrem Kind, weshalb die Einnahme notwendig ist. Versuchen Sie jedoch auf keinen Fall, Ihrem Kind etwas mit Gewalt einzuflößen.
  • Manchmal ist die Aussicht auf eine kleine Belohnung nach der Medikamenteneinnahme ein gutes Ablenkungsmanöver. Zudem kann etwas Süßes, bspw. ein Keks oder ein Stück Schokolade, den bitteren Geschmack der Arznei schnell übertünchen. Sie sollten Ihrem Kind die Arznei an sich jedoch nicht als Süßigkeit anpreisen.
  • In vielen Fällen hilft es auch, die Medikamente von einer Person verabreichen zu lassen, die dem Kind nicht ganz so nahe steht wie die Eltern. Oma und Opa oder gute Freunde helfen sicher gerne, die kleinen Patienten zu versorgen.

Grundsätzlich sollten Sie bei der kindgerechten Darreichung von Medikamenten zudem Folgendes beachten:

  • Nicht jedes Medikament darf mit Nahrungsmitteln oder Flüssigkeit gemischt werden, da zu viel Essen oder Getränke die Wirkungsweise des Präparats verändern können. Milch oder Milchprodukte (wie bspw. Joghurt) hemmen die Aufnahme und Wirkung bestimmter Arzneien (bspw. Antibiotika). Auch Grapefruitsaft sollten Sie Ihrem Kind nicht in Kombination mit Medikamenten geben, da dieser die Wirkung entweder intensivieren oder schwächen kann.
  • Falls Sie die Medikamentengabe einmal vergessen oder Ihr Kind nach der Einnahme des Medikaments erbrochen hat, sollten Sie zunächst mit dem Kinderarzt sprechen, bevor Sie das Medikament erneut verabreichen. Keinesfalls sollten Sie Ihrem Kind zum Ausgleich beim nächsten Mal die doppelte Dosis geben, da eine Überdosierung gefährlich für den noch unerfahrenen Organismus sein kann.
  • Beachten Sie bei Kinderarzneimitteln unbedingt das Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung, da dieses häufig sehr schnell abläuft. Geöffnete Augentropfen sollten Sie niemals länger als sechs Wochen benutzen. Säfte oder Tropfen sind nach Anbruch maximal sechs Monate haltbar, wenn sie im Kühlschrank gelagert werden. Pulver, welches bei Zugabe von Flüssigkeit zu Saft verrührt wird, ist oftmals nur wenige Tage haltbar.
  • Tabletten oder Kapseln sollten Sie nicht ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt verkleinern oder für die Einnahme zerbröseln. Denn oft sind die Präparate mit einem speziellen Film überzogen, der den Wirkstoff vor der Magensäure schützen soll oder verhindert, dass der Patient den bitteren Geschmack des Medikaments schmeckt. So teilen Sie Tabletten und Kapseln richtig.

Kinder reagieren immer unterschiedlich auf Infekte und die Einnahme von Medikamenten. Der Hustensaft, welcher bei der letzten Bronchitis noch ohne Widerworte getrunken wurde, kann beispielsweise beim nächsten Husten bereits zur „Trinkverweigerung“ führen. Sollte Ihr Kind die Einnahme des Medikaments komplett verweigern, bewirkt ein Besuch beim Kinderarzt oft Wunder. Lassen Sie sich dort beraten, wie Sie Ihrem Kind das Medikament am sichersten geben und ob Sie es mit Lebensmitteln oder Getränke vermischen können.

Auch Erwachsene sollten bei der Einnahme von Medikamenten einiges beachten.