Selbsttests
Gesundheit

Selbsttests: Schnelle Gewissheit ohne Arztbesuch?

Ob man an Vitaminmangel leidet, oder beispielsweise eine Lebensmittelunverträglichkeit hat, lässt sich doch bestimmt auch ohne Arzt klären, oder? Sogenannte „Selbsttests“ können dabei helfen, sich diese oder ähnliche Fragestellungen schnell und bequem von zu Hause aus selber zu beantworten. Wir erklären Ihnen, wann die Tests sinnvoll sind und was sie bei der Nutzung beachten sollten.

Was ist ein Selbsttest?

Selbsttests sind Tests, die jeder eigenständig zu Hause durchführen kann. Sie dienen zur Prüfung, ob möglicherweise eine Erkrankung (oder eine andere körperliche Veränderung) vorliegt oder das Risiko besteht, eine solche zu entwickeln. Selbsttests können z. B. Fragebögen sein, die selbstständig beantwortet werden und anhand der Antworten ein Ergebnis oder eine Tendenz anzeigen. Mit dem Begriff Selbsttests sind jedoch auch Produkte gemeint, die z. B. durch das Aufbringen von Blut oder Urin auf ein Testfeld bestimmte Stoffe nachweisen und damit  Hinweise auf mögliche Veränderungen im Körper geben können.

Was bringt mir ein Selbsttest?

Selbsttests können Hinweise auf Krankheiten geben, bevor wir körperliche Symptome spüren. Sie können aber auch eine körperliche Veränderung bestätigen, zum Beispiel eine Schwangerschaft oder eine Allergie. Selbsttests können also sinnvoll sein, um einen ersten Anhaltspunkt zu erhalten. Basierend auf dem Testergebnis können (und sollten) sie ein Anstoß sein, sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung zu begeben. Selbsttests alleine ersetzen also nicht den Arztbesuch und sind manchmal auch nur für Risikogruppen zu empfehlen. Gesundheits-Checks, Vorsorgeuntersuchungen und Therapiekontrollen sollten auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Insbesondere dann, wenn das Testergebnis auf eine Erkrankung hindeutet, sollten Sie sich nicht zu sehr beunruhigen lassen. Häufig können auch andere, deutlich harmlosere Ursachen hinter einem positiven Testergebnis stecken. Evtl. ist das positive Testergebnis nur ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko, die entsprechende Krankheit zu entwickeln. Suchen Sie aber in jedem Fall einen Arzt auf, damit anhand weiterer Untersuchungen eine gesicherte Diagnose gestellt werden kann.

Was kann ich mit einem Selbsttest testen?

Die wohl bekanntesten Selbsttests sind die Blutdruckmessung und der Schwangerschaftstest. Für sie sind schon seit vielen Jahren Testgeräte auf dem Markt und in jeder Apotheke ohne ärztliche Verordnung erhältlich. In den letzten Jahren hat sich im Bereich Selbsttests aber einiges getan. Mittlerweile stehen zahlreiche weitere Tests zur Verfügung, die Veränderungen im Körper anzeigen können, bei der Früherkennung von Krankheiten helfen oder der Vorbeugung von Krankheiten dienen. Solche Tests sind z. B.:

  • Test auf Blut im Stuhl, welches mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist (okkultes Blut): Wird Blut im Stuhl nachgewiesen, kann das ein Hinweis auf Darmkrebs oder eine Vorstufe zum Darmkrebs sein.
  • Bluttest zur Bestimmung des Gesamtcholesterol-Wertes: Er kann einen Hinweis auf erhöhte Blutfettwerte und somit auf ein Herz-Kreislauf-Risiko liefern.
  • Magen-Vorsorge Test: Ein Bluttest zur Bestimmung von Antikörpern gegen Helicobacter pylori. Das Bakterium kann die Magenschleimhaut besiedeln und Magengeschwüre, Magenschleimhautentzündungen oder Krebs hervorrufen.
  • HIV-Selbsttest: Bluttest zur Bestimmung einer HIV-Infektion.
  • Tests zur Bestimmung eines Nährstoffmangels: Dieser Test misst, ob bestimmte Vitamin- oder Mineralstoffwerte im Blut erniedrigt sind.
  • Tests zur Ermittlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, z. B. Gluten.
  • Selbsttest zur Bestimmung der Zeugungsfähigkeit: Nachweis der Spermienkonzentration in der Samenflüssigkeit.
  • Vaginaler Selbsttest zur Erkennung einer pH-Wert Veränderung in der Scheide: Ein pH-Wert außerhalb des Normbereiches kann Erkrankungen verursachen oder auf eine möglicherweise vorliegende Infektion hindeuten.
  • Urintest zur Erkennung von Harnwegsentzündungen.
  • Menopause-Selbsttest, der die Konzentration des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH) misst: Ist die Konzentration erhöht, ist das ein Hinweis auf den Beginn der Wechseljahre.
  • Test zur Bestimmung des Eisprungs: Urintest zur Ermittlung, wann ein günstiger Zeitpunkt ist, schwanger zu werden.
  • Zeckentest zum Nachweis von Borrelien: Der Test ermittelt, ob die Zecke den Krankheitserreger in sich trägt. Dieser wurde bei einem Stich ggf. auf den Menschen übertragen.
  • Drogentests können bestimmte Drogen im Urin nachweisen.
  • Allergie-Selbsttest bei Heuschnupfen-Symptomen: Zur Erkennung einer Allergie auf Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaare.
  • Alkoholtest zur Bestimmung der Alkoholkonzentration im Speichel: Mit dem Ergebnis kann die Blutalkoholkonzentration abgeschätzt werden.
  • Selbsttest für Typ-1-Diabetiker auf Ketonkörper im Urin: Ein erhöhter Ketonkörper-Wert ist ein Hinweis auf eine diabetische Stoffwechselentgleisung, wie sie z. B. bei Infektionskrankheiten auftreten kann. Der Organismus eines Diabetikers kann diese Entgleisung nicht eigenständig ausgleichen.

Bei den Selbsttests für zu Hause handelt es sich meist um Tests, die eine eindeutige Ja/Nein-Aussage treffen. Der Test zeigt dabei z. B. an, wenn ein bestimmter Stoff (z. B. Virus, Antikörper, Hormon), ab einer gewissen Konzentration, im Körper vorhanden ist. Ein positives Testergebnis ist damit eine Warnfunktion. Zur genauen Klärung sind weitere Untersuchungen notwendig.

Selbsttests werden in der Regel mit Blut oder Urin durchgeführt, manche auch mit dem Stuhl, Speichel, Samenflüssigkeit oder Vaginalsekret.

Selbsttests können auch Fragebögen sein. Mit Beantwortung der Fragen kann ein Ergebnis abgelesen werden, mit dem man einen Hinweis bekommt, ob eine bestimmte Erkrankung vorliegen könnte oder ob man ein erhöhtes Risiko hat, diese Krankheit zu entwickeln. Solche Fragebögen dienen z. B.:

  • Der Erkennung eines Diabetesrisikos (FINDRISK oder Deutscher Diabetes Risiko Test).
  • Der Bestimmung des Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisikos (Procam-Test oder Framingham-Kalkulator).
  • Der Erkennung eines Osteoporose Risikos.
  • Zum Check auf chronische Venenerkrankungen.
  • Zur Bestimmung eines erhöhten Darmkrebsrisikos (Schnell-Check Darmkrebs).
  • Zur Ermittlung einer Pollenallergie.

Selbsttests – Kann ich mich auf das Ergebnis verlassen?

Es gibt die verschiedensten Einflussfaktoren, die berücksichtigt werden sollten, damit ein Selbsttest zu einem Ergebnis mit hoher Aussagekraft führt.

Dafür ist in erster Linie die korrekte Anwendung gemäß Gebrauchshinweis wichtig. Eine ungenaue oder falsche Anwendung ist ein großes Risiko für falsch positive oder falsch negative Ergebnisse. Zum Beispiel kann es beim Schwangerschaftstest zu einem falsch negativen Ergebnis kommen, wenn der Test vor dem Tag der Fälligkeit der Periode durchgeführt wird oder wenn statt Morgenurin eine Urinprobe im Tagesverlauf verwendet wird. Der Test liefert dann evtl. das Ergebnis „nicht schwanger“, obwohl eine Schwangerschaft vorliegt.

Aber nicht nur die Art der Anwendung, auch andere Umstände können ein Testergebnis verfälschen. Als Beispiel kann hier der Nachweis von Antikörpern gegen das Bakterium Helicobacter pylori aufgeführt werden: Der Antikörpernachweis muss kein akutes Problem bedeuten, sondern kann von einer vorangegangenen, bereits behandelten Infektion stammen. In diesem Fall ist der Antikörper im Blut noch nachweisbar, das Bakterium aber schon erfolgreich bekämpft.

Nicht zuletzt kann auch eine falsche Lagerung einen Selbsttest unbrauchbar machen.

Was unbedingt vermieden werden sollte, ist ein falsch-negatives Ergebnis. Falsch-negativ bedeutet der Test gibt keinen Hinweis auf die Erkrankung, der Patient leidet aber dennoch daran. Das führt unter Umständen dazu, dass die Person sich in falscher Sicherheit wiegt und eine evtl. lebenswichtige Behandlung ausbleibt oder zu spät begonnen wird. Bei Infektionskrankheiten besteht zusätzlich die Gefahr, andere Personen anzustecken.

Wir beraten Sie gerne individuell, um heraus zu finden, ob ein Selbsttest für Sie persönlich sinnvoll ist und was Sie bei der Anwendung beachten sollten.