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Gesundheit

Burn-out: Krankheit oder Modeerscheinung?

Burn-out, ein Begriff der uns in der heutigen Zeit immer häufiger begegnet. Sind wir heute nicht mehr so belastbar, wie früher? Oder ist unser Körper tatsächlich mehr Stress ausgesetzt, als noch vor einigen Jahren? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, schauen wir uns einmal an, was Stress genau bedeutet und was ein Burn-out-Syndrom tatsächlich ist.

Was genau ist ein Burn-out-Syndrom?

Burn-out ist eine psychisch bedingte Antriebslosigkeit, die sich in der Regel über einen längeren Zeitraum manifestiert und zu einem Zustand totaler Erschöpfung (körperlich, geistig und emotional) führt. Mann ist völlig ausgebrannt, nichts macht mehr Freude, alles wird gleichgültig, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit machen sich breit.

Ich habe Stress!

Um zu beurteilen, ob Stress uns krank macht, müssen wir erst einmal klären, was Stress eigentlich ist. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal gesagt: „Ich habe Stress“. Meist ist damit gemeint, dass wir z. B. an einem Tag viele Dinge auf einmal erledigen müssen, einen Termin nach dem anderen hinterher hetzen und keine Zeit haben, zwischendurch einmal eine Pause zu machen. Wir haben einen anstrengenden Tag, sind abends erschöpft und freuen uns, die Beine hoch zu legen. Aber ist das wirklich Stress? Oder doch „nur“ ein arbeitsreicher Tag?

Wissenschaftlich versteht man unter Stress eine Reaktion in unserem Körper, die durch äußere Reize hervorgerufen wird und der Bewältigung dieser Reize dient. Dieses System wird als das „allgemeine Anpassungssyndrom“ bezeichnet. Es ist überlebensnotwendig, um in einer Gefahrensituation schnell zu reagieren, z. B. ein Sprung zur Seite, um nicht von einem Auto erfasst zu werden. Die Situation aktiviert bestimmte Vorgänge im Körper, die uns Energie geben (Adrenalin wird freigesetzt, Herzfrequenz und Atmung steigen, mehr Glucose wird für den erhöhten Energiebedarf bereitgestellt). Gleichzeitig werden andere Prozesse, die in dieser Situation unwichtig sind, heruntergeregelt (z. B. Verdauung, Sexualfunktion, Immunsystem). Ist die Gefahr vorbei, werden die Mechanismen wieder reguliert und der Körper kann entspannen.

Heute sind wir Gefahrensituationen nur selten ausgesetzt. Unser moderner „Stress“ (Leistungsdruck, enge Zeitpläne, Informationsüberflutung, Spagat zwischen Beruf und Familie) löst in unserem Körper aber die gleichen Reaktionen aus. Sind wir in einer Belastungssituation, werden Glückshormone freigesetzt. Das motiviert uns, erhöht unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit und wir können die Aufgabe erfolgreich bewältigen. In diesem Fall sprechen wir von Eustress (positiver Stress). Sind wir aber von Aufgaben überfordert und empfinden die Situation als unangenehm oder bedrohlich, handelt es sich um Dysstress (negativer Stress). Ein über längere Zeit andauernder Eustress kann irgendwann in Dysstress übergehen. Bei einer solchen dauerhaften Belastung, lebt unser Organismus in ständiger Alarmbereitschaft, was dazu führt, dass unser Körper nicht mehr entspannen kann. Irgendwann sind die Energiereserven aufgebraucht und wir reagieren auf negative Reize mit nervöser Unruhe (innere Anspannung bei gleichzeitigen Fehlen von Ruhe und Ausgeglichenheit) und Erschöpfung (körperliche Schwäche, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit). Dann kommt selbst in Phasen ohne akute Belastung der Organismus nicht mehr zur Ruhe und es droht das Burn-out-Syndrom.

Wann macht Stress mich krank?

Ab wann Stress krank macht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Jemand leidet dann unter Stress, wenn er es als Belastung empfindet. Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Grenze, ab wann er überfordert ist.  Zusätzlich ist die individuelle Bedeutung eines Reizes dafür verantwortlich, in welcher Art und in welchem Ausmaß der Betroffene auf den Reiz reagiert. Hat man eine negative Einstellung, kann man sich damit auch „selbst Stress machen“, z. B. durch Überempfindlichkeit und übertriebenen Perfektionismus. Jeder Mensch kann also die Situationen durch seine Gedanken oder Wahrnehmungen beeinflussen. So kann man eine Situation statt Bedrohung auch als Herausforderung erleben. Vor allem dynamische, ehrgeizige und erfolgreiche Menschen brennen für ihre Sache. Sie halten sich für unentbehrlich und verstärken ihren Einsatz noch, wenn es sich nicht so umsetzen lässt, wie sie es sich vorgestellt haben. Meist führt für solche Menschen eine starke Mehrfachbelastung zur Überforderung. Sie haben Angst, dass nachlassende Leistungsfähigkeit das Ende der Karriere bedeutet.

Zusätzlich ist Stress oft auch „hausgemacht“. Viele Menschen sind auch im Privatleben ständig in Action und schaffen es nicht abzuschalten. Auch, wenn unsere Freizeitaktivitäten Spaß machen, sollten wir nicht von einem Termin zum nächsten hetzen. Wenn wir vergessen zu entspannen, werden auch vermeintlich schöne Erlebnisse irgendwann als Belastung empfunden. Es ist wichtig, dass auf eine stressige Phase immer wieder eine Erholungsphase folgt, damit sich der Körper regenerieren kann.
Ein erhöhtes Risiko für ein Burn-out-Syndrom haben auch Menschen mit wenig Selbstvertrauen, die sehr angepasst sind und eher passiv wirken.

Faktoren, die dazu führen können, dass wir früher oder später krank werden und ggf. ein Burn-out-Syndrom entwickeln, sind:

  • hoher Leistungsdruck oder große Verantwortung
  • wenig Unterstützung und Wertschätzung
  • Termindruck
  • hohe eigene Erwartungshaltung
  • Reizüberflutung und ständige Erreichbarkeit
  • geringes Selbstvertrauen
  • zu wenig oder nicht erholsamer Schlaf
  • belastende Lebenssituationen
  • Stressanfälligkeit
  • emotionale Instabilität
  • organische Ursachen wie z. B. chronische Erkrankungen
  • Aufgaben ungerne abgeben und schlecht „nein“ sagen können
  • zwischenmenschliche Konflikte
  • Umwelteinflüsse wie z. B. Lärmbelästigung oder hohe Schadstoffbelastung

Alarmierend ist, dass heute häufig schon Kinder unter Dauerstress stehen. Hier sind vor allem Eltern und Lehrer gefordert, dies zu erkennen und Kinder vor einer Überbelastung zu schützen.

Auswirkungen von Stress

Ist Ihr Organismus zu stark belastet, stellen sich Symptome ein, die Sie als Warnsignale sehen sollten:

  • Belastbarkeit, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nehmen ab
  • Schlafstörungen
  • Frustration - Gereiztheit und aggressives Verhalten nehmen zu
  • Entwicklung unkontrollierten Verhaltens, wie Zähneknirschen oder Tics
  • Herzklopfen, Zittern, vermehrtes Schwitzen, kalte Hände und Füße, Kribbeln in Armen und Beinen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Gesteigertes Infektionsrisiko durch die Schwächung des Immunsystems
  • sexuelle Probleme
  • Tinnitus und Hörsturz
  • Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • sozialer Rückzug
  • Folgeerkrankungen des Stoffwechsels (z. B. Diabetes, Fettstoffwechselstörungen) oder des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. Bluthochdruck, Herzinfarkt)
  • Depression
  • Zynismus und Gleichgültigkeit
  • abnehmende Empathie
  • Die eigene Arbeitsleistung als vermindert ansehen

Häufig werden solche Warnsignale ignoriert. Nicht selten wird versucht, solche Beschwerden mit Alkohol oder Medikamenten zu verdrängen, die das Problem nur weiter verschleppen, aber nicht lösen.

Anti-Stress-Tipps

Fühlen Sie sich überfordert, sind unruhig, nervös oder stellen sogar schon körperliche Symptome bei sich fest, dann ist das nicht nur ein Gefühl. Chronische Belastungen führen im Organismus zu einem Ungleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Botenstoffen, der Hormonhaushalt verändert sich und es werden vermehrt freie Radikale freigesetzt, die unsere Zellen schädigen. Es wird Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Sie können nicht ihr Umfeld verändern, Sie müssen selbst aktiv werden und lernen, anders mit Ihrem Stress umzugehen.
Was die richtige Methode ist, ist individuell sehr unterschiedlich, weil auch die Ursachen mit der persönlichen Lebenssituation zu tun haben. Es ist also wichtig, dass Sie für sich die richtige Strategie finden, Stress zu reduzieren.

Folgende Tipps können Ihnen helfen, zu entspannen und so wieder ein Gleichgewicht in Ihrem Körper herzustellen:

  • regelmäßig Sport treiben
  • auf gute Schlafhygiene achten
  • soziale Kontakte pflegen
  • Probleme nicht in sich hinein fressen
  • Hobbys suchen, ohne in Freizeitstress zu geraten
  • Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation oder Yoga
  • Entspannung durch Spaziergänge oder ein Bad
  • Ausgewogene Ernährung und die Mahlzeiten genießen, sich also Zeit fürs Essen nehmen
  • Effektives Zeitmanagement etablieren (Prioritäten setzen, To-do-Listen erstellen, Zeitpuffer einplanen)
  • Zeitweise auf das Handy verzichten
  • Achtsamkeit trainieren (sich auf eine Sache konzentrieren und auf die eigenen Bedürfnisse achten)
  • Aufgaben teilweise an andere abgeben und lernen „nein“ zu sagen
  • Auf Coffein oder andere Aufputschmittel verzichten. Sie aktivieren zwar das Nervensystem und die Gehirnleistung, aber nur kurzfristig, sodass schnell eine Erschöpfung eintritt.

Sollten Stresssymptome länger als vier Wochen anhalten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Den Symptomen könnten auch andere Erkrankungen zugrunde liegen, das sollte abgeklärt werden. Es ist auch wichtig, möglichst frühzeitig Maßnahmen zur Bewältigung von Stress zu ergreifen, damit die Belastung nicht chronisch wird und ein Burn-out-Syndrom vermieden werden kann.
Wer auch ohne Symptome die Anti-Stress-Tipps befolgt, wird gar nicht erst in eine Situation mit zu hoher Belastung geraten.

Verwechslungsgefahr

Das Burn-out-Syndrom ist nicht zu verwechseln mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS = Chronisches Fatiguesyndrom). Während es sich beim Burn-out-Syndrom um eine psychisch bedingte Antriebslosigkeit handelt, ist das CFS eine Erkrankung des Nervensystems. Dabei kommt es zu körperlichen Symptomen, wie Entzündungen, Kopf- und Muskelschmerzen, sowie Störungen in der Gehirnfunktion, einhergehend mit starker Müdigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Das CFS tritt im Gegensatz zum Burn-out meist relativ plötzliche auf, häufig im Anschluss an eine Virusinfektion.

Bisher gibt es noch kein international akzeptiertes Diagnosekriterium für einen Burn-out. Es kann daher auch leicht zu einer Verwechslung mit einer Depression kommen, da einige Anzeichen identisch sind. Dennoch gibt es auch klare Unterschiede, die unterschiedliche Behandlungen erfordern und die für die jeweils andere Erkrankung schädlich sein können. Nicht zuletzt kann eine Depression aber auch in Folge eines Burn-out auftreten!